Fundstücke beim Umbau: Fluchtpunkt oder was ?

Wandskizzze Umbau Ernen

Ist es dir auch schon passiert, dass der Anblick eines Bildes, einer Skizze oder auch nur ein Geruch dich um Jahre zurückkatapultiert – in eine andere Zeit, in eine andere Umgebung, in ein anderes Gefühl?

Mir geht es manchmal so, wenn ich bei Umbauten hinter Wandtäfer, Tapeten oder alter Farbe versteckte Zeugen der Vergangenheit entdecke. Genau das war der Fall, als bei einem Umbau die rund einen Meter grosse Skizze, von Hand gezeichnet, an der rohen Wand auftauchte. Zuerst schenkte ich dem Ganzen keine Beachtung. Zuviel war zu bereden und zu bedenken bei der Begehung des Objektes und der Besprechung der Umbaupläne. 

Erst später warf ich einen genaueren Blick auf die Skizze und war fasziniert.  Die interessante Strichführung, die Farben, all das sprach mich beim Betrachten immer mehr an und neue Bilder fluteten meinen Kopf.

In meinem Kopfkino gab ein Handwerker seinen Gesellen eine kurze Einführung in die Fluchtpunktperspektive. Szenenwechsel! Es ist eine Profilabwicklung zum Herstellen von Messern. OK, das Fachchinesisch muss jetzt nicht jeder verstehen. Ehrlich gesagt, hab ich das bei der Meisterausbildung auch nicht immer auf Anhieb geschafft. Bilder fluten meinen Kopf, auf denen mir vor lauter Erinnerungen an die Ausbildungszeit ganz schwindlig wird – wie damals, als die vielen Linen mir im Unterricht die Augen flimmern liessen.

Auch zu der Zeit galt: Zurück treten, Abstand nehmen, das Ganze  sehen, sich einen Überblick  verschaffen. Genau das mache ich beim Betrachten der Skizze jetzt auch und komme wieder im Hier und Jetzt an.

Ich beschloss, die Skizze nicht anzurühren. Wir konstruierten und ergänzten aus einem alten, gestemmten Täfer eine Wandverkleidung, hinter der die Skizze allmählich wieder verschwand. Dort wartet sie jetzt um eine Begegnung reicher auf die nächsten Entdecker und deren Gedanken…

Ihr SchReini

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Küche renovieren – Was Männer dort verloren haben? 

Küchenrenovation im Goms

Auftrag: Aus alt mach neu! Ergebnis: Gedanken zum Werdegang einer Küche. Und natürlich ein neuer Ort der Küchengemeinschaft.
Eine Küchenrenovation im Oberwallis.

 

Haben Sie schon mal in einer Küche gestanden, die wie aus der Zeit gefallen vor Ihnen steht?  Abgewetzt, mit  Holzofen, uraltem Elektroherd, ausgeleierten Schränken in vergilbtem Weiss und einer Spüle, die vom vielen Scheuern wie sandgestrahlt daherkommt? Mir ging es so, als ich ein Haus aus dem Jahr 1934 betrat, das seit Jahrzehnten leer und unbewohnt war. Dort stand sie, die alte Küche.

Design Fehlanzeige, Kratzer statt Hochglanzflächen, Elektronik noch unbekannt, selbstschliessende Schubladen in weiter Zukunft. Und: Männer hat diese Küche wohl nur beim Essen statt bei der Hausarbeit gesehen. Es waren andere Zeiten.

Ironie des Schicksals, dass sich jetzt ausgerechnet ein paar Fachmänner an die Arbeit begaben, um dem alten Stück den Garaus zu machen und neuen Küchenwelten mit Können und Spass den Weg zu ebnen. 

Das Resultat nach ein paar Wochen: Wände raus, neue Decke, Fenster und Parkettboden in Eiche rein, um Platz zu schaffen für eine helle, moderne Küche in sehr geräumiger Umgebung.  Modern, zeitloses Design, pflegeleicht, grosszügige Platzverhältnisse – ein neuer Ort im Haus, um Geselligkeit und Gemeinschaft zu leben. Und hoffentlich ein Ort, an dem sich Mann genau so gern an Küchenmesser, Topf und Herd zu schaffen macht, wie dies Frau früher tat. Denn zum Glück sind auch heute heute andere Zeiten…

Ihr Sch-Reini

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Wenn alte Wände reden könnten?

Was, du alte Wand, willst du mir sagen?  Dieser Gedanke schiesst mir ab und an durch den Kopf, wenn beim Umbau uralter Gebäude Details zutage treten, die überraschen. Manchmal sind es Spuren eines Brandes. Manchmal alte Inschriften oder Kritzeleien. In diesem Fall in Bellwald waren es Teile einer Tapete, die unter mehreren Schichten plötzlich in ein paar Fetzen an der fast schon schwarzen Wand hingen.

Tapeten in einem alten Walliser Haus? Das ist nicht nur ungewöhnlich, sondern geradezu eine Rarität. Denn woher sollte in einem alten Walliser Bauernhaus eine Tapete kommen, die vor 150 oder 200 Jahren dort hingeklebt worden war? Wie ist der Hausbesitzer an  diese Rarität rangekommen? Wo hätte er sowas vor 200 Jahren erstehen können?

Denn den Tapezierer oder Maler „um die Ecke“ hat man damals im Oberwallis vergebens gesucht. Ganz abgesehen davon, dass für solchen „Chichi“ wohl kaum Geld zur Verfügung stand. Der einzige Ort, an dem damals Tapeten verwendet wurden, waren um 1850 herum die ersten Hotels, die in der Gegend entstanden. Das Ofenhorn im Binntal, das Jungfrau auf Kühboden, das Glacier du Rhône und das Bellevue in Gletsch – hier vergnügte sich die vornehmlich englische „haute volée“ zwischen Seidenvorhängen, leder- und samtbezogenen Möbeln und eben tapezierten Wänden. 

War der Hausbesitzer beim Bau dieser Häuser beteiligt? Hatte er Gefallen an Tapeten gewonnen?  Wurde ihm ein Stück aus Dankbarkeit geschenkt? Oder hatte er ein paar „Abfälle“ still und heimlich abgezweigt, um seinem Heim ein wenig Glanz zu verleihen oder einfach den Wind daran zu hindern, durch die Ritzen zu blasen?

Antworten auf diese Fragen werden sich wohl kaum finden lassen. Doch eines weiss ich gewiss: Es lohnt sich ab und an beim Abriss alter Innenausstattungen etwas genauer hinzuschauen, um sich damit einen Einblick in vergangene Zeiten und vielleicht in die Träumereien und Hoffnungen der damaligen Bewohner zu erhaschen.

Denn solange ist es nicht her in unserer Gegend, als noch kleine Dinge Luxus bedeuteten. Als man an scheinbar Geringem Gefallen fand. Als man sich mit Nichtigkeiten an das noble Leben anderer herantasten wollte. Als man sich mit einer simplen Tapete den Traum von einem besseren weil weniger hartem Leben  in die eigenen vier Wände holte. 

Wenn Sie also nächstens einen Umbau Ihres alten Walliser Hauses planen: Schauen Sie genau hin. Denn mit Garantie verstecken sich dort viele Geschichten wie diese, die Respekt statt Kettensäge verlangen.

Ihr Sch-Reini

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Sch-Reinis Einsichten: „Bist du billig oder was?“

Hey du, ja, du bist gemeint? Wieso treibst du dich eigentlich auf der Website einer kleinen Schreinerei herum? Neugier, was wir so machen? Suchst du etwas bestimmtes? Bist du ein Mitbewerber auf der Suche nach Inspiration? Oder beim Googeln bloss falsch abgebogen?

Denn im Netz der Netze ist man doch bedeutend häufiger auf Websites unterwegs, die einem alle möglichen Billigstangebote unter die Augen reiben.  Denn ich mache mir keine Illusionen: Viel von dem, was wir Schreiner anbieten, ist auf dem Netz billiger zu haben.

Bademöbel kommen aus China, die Küche aus Thailand, das Bett aus Bangladesh, der Schrank aus Indien, die Fenster vom Mond – und das Design ist schwedisch, dänisch oder intergalaktisch. 

Das Zeug reist ein paar Tausend Kilometer und geht nach vier Monaten, drei Wochen, fünf Tagen und einer Stunde was kaputt, kommt die Sperrmüllmarke drauf und während der Gerümpel aufs Entsorgen wartet, ist das nächste Rundumglücklich-Paket schon auf dem Weg zu dir nach Hause – Imbusschlüssel, kryptische Montageanleitung und tonnenweise unnötiger CO2-Ausstoss inklusive. Aber das Klima findet ja zum Glück nur draussen statt…

Sorry, wollte dir kein schlechtes Gewissen einreden. Denn genau du stehst ja offenbar nicht auf Billy und Fenster vom Mond.  Sonst wärst du jetzt nicht mehr da!

Ich mute mir zu, zu wissen, warum du noch da bist. Denn ganz bewusst wurde vorgängig ein paar Mal der Begriff «billig» erwähnt. Damit verbunden ist, dass billig nicht nur wenig Geld sondern meist auch geringe Qualität beinhaltet. Doch wenn die Qualität nicht stimmt, wird billig schlussendlich teurer.

Du aber willst dein Mobiliar nicht öfter wechseln als deine Jeans. Deine Fenster sollen nur Licht in die Wohnung lassen. Dein Boden darf nach Holz riechen statt nach Lösungsmitteln. Auf deinen Tisch darf mit der Faust gehauen werden, ohne gleich Kleinholz zu befürchten. Deine Küche soll nicht auch in 9’999 weiteren Haushalten stehen. Kurz gesagt: Du liebst dein Zuhause!

Damit sind wir schon zu zweit. Danke, dass ich immer wieder mehr von deiner Art kennen lernen darf!

Sch-Reini

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Sch-Reinis Einsichten: „Parle-wu Fransse?“

„Fransse“? Also ich nicht wirklich. Oder eher noch nicht! Denn ein Ereignis hat mich in den letzten Tagen dazu gebracht, meine Haltung gegenüber der Sprache von Sartre, Molière und Fendant zu überdenken: Ich habe neuerdings einen welschen Mitarbeiter!

Genau, einen «»schönn megg» von der «ootre ggotte dö la Raspii», der sich einen Einblick in die Welt und damit in die Sprache jenseits des Röstigrabens erhofft, bevor er in einem Jahr mit seiner höheren Fachausbildung weiterfährt. Er springt also quasi freiwillig ins Haifischbecken des Gommer Dialekts gepaart mit der Herausforderung, sich in einem Dreieinhalb-Seelen-Dorf zurechtzufinden.

Das verursacht bei mir ein schlechtes Gewissen! Denn meine Französischkenntnisse haben auf meiner linken Handfläche Platz. Und das mit grossen Buchstaben geschrieben. Warum habe ich eigentlich diesen Schritt nie gemacht? Warum bin ich nie ins «Welsche» gegangen und hab mir meine Sprachhörner zurechtstutzen lassen? Denn ob ich ein Stück Holz auf Französisch oder Deutsch bearbeite, ist doch eigentlich einerlei. Gopf, wie heisst Holz eigentlich auf Welsch? Ah ja, «bua» und der «mönisje» sägt dran rum.

Wie erkläre ich dem bloss, was er wann zu tun hat? Wo nehme ich die ganzen Fachausdrücke auf Französisch her? Beschläge, Kehlmaschine, Oberfräser, Türrahmen, Fenstersturz, Japansäge, Buche, Lärch, Tanne, Nut… Ich glaube, Google Translator wird bald mein «mejöör ami»! Aufgabenverteilung am frühen Morgen vor der gesamten Belegschaft und ich mach mich mit Zeichensprache lächerlich! Meine Jungs haben doch irgendwo ihre Französischbücher? Oder doch schnell einen Migros-Kurs?

Halt, Sch-Reini, «nö fe pa lö ggong»! Der «schönn megg» kommt doch ins Goms, um meine Sprache zu lernen, «aggsa federal» inklusive, wenn es denn Hochdeutsch sein muss, oder? Er wird nur dann profitieren, wenn ich ihn ins «o frua» werfe und dort etwas zappeln lasse. So «pö a pö» können mein Team und ich ja sprachlich auch etwas profitieren von unserem welschen Kollegen.

Und wenn alles klappt, lässt sich einer meiner Lehrlinge vom Sprachvirus anstecken und wagt, was ich damals verpasst habe: den Schritt über den Röstigraben! Dann kann ich mir mit gutem Gewissen auf die Schultern klopfen und sagen «Biä fe, Sch-Reini!»

Euer Sch-Reini

 

Weitere Infos zum Team : Hier!

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